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Die erschreckende Zunahme von Krebserkrankungen und Gewalt in unserer heutigen Zeit zeigt deutlich, dass in allen persönlichen, sozialen und politischen Bereichen dringend Rückbesinnung gefordert ist. Anstatt sich weiterhin im Kreislauf der Selbstzerstörung zu bewegen, brauchen Menschen dringend Heilung und Selbstheilung. Ursula v. Maltzahn nähert sich der Selbstheilung über die «wahre Natur des Menschen».

In unserer Welt des technischen Fortschritts tritt der Mensch mit seiner Würde, mit seinem eigentlichen, wahrhaften Wesen, in den Hintergrund und wird oft vergessen. Stattdessen boomt das große Geschäft mit der Angst und der Sehnsucht. Der Glamour der Konsumwelt verspricht Glück und die Erfüllung aller Träume. Menschen geraten in Abhängigkeiten und werden in vielen Lebensbereichen mehr oder weniger subtil manipuliert.

Dabei bleibt die Erfüllung der eigentlichen, sehr existenziellen Grundbedürfnisse des Menschen nach Liebe, Achtung und individueller Entfaltung seiner Fähigkeiten auf der Strecke. Je weniger diese natürlichen Grundbedürfnisse befriedigt werden, umso größer ist die Sucht nach Ersatzbefriedigung (z. B. durch Konsum, Prestige und Statussymbole), die wie Drogen vorübergehend entlastet, tatsächlich jedoch die Seele des Menschen abhängig macht und auszehrt.

Die «wahre Natur des Menschen» ist unzerstörbar

Selbst Menschen mit einem Bewusstsein für diese Zusammenhänge können häufig nicht aus diesem Kreislauf der Selbstzerstörung und inneren Sinnentleerung aussteigen. Die Ursachen dafür sind tiefe seelische Verletzungen durch zerstörerische Lebens- und Verhaltensmuster, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Bleiben sie unbewusst und unbehandelt, so entfalten sie ihre krankmachende Wirkung beim einzelnen Menschen sowie im familiären und gesellschaftlichen Umfeld.

Der innerste Kern des Menschen — seine wahre Natur — bleibt aber trotz aller Verletzungen immer positiv, heilsam und unzerstörbar. Er muss nur wiedergefunden und von Blockaden befreit werden, damit die natürlichen Selbstheilungskräfte von Körper und Seele wieder aus sich selbst heraus wirken können. Nur durch das Innerste des Menschen ist es möglich, krankmachende und zerstörerische Prozesse ins Positive umzukehren und Heilung auf der körperlichen und seelischen Ebene sowie im sozialen Umfeld geschehen zu lassen.

Der innere Heiler ist die Quelle von Gesundheit, Liebe, Freude und Kreativität

Kann sich dieser Lebenskern seiner individuellen Natur gemäß entfalten, wird er zur Quelle von Gesundheit, Liebe, Freude und Kreativität.

Wir alle müssen begreifen, wie lebenswichtig es ist, sich unserer inneren Natur wieder zuzuwenden, sie zu verstehen und vor allem zu achten. Nur in diesem Geist wird uns bewusst werden, wodurch Seele und Körper atmen und blühen oder auch ersticken und verkümmern können.

Es gibt nicht nur eine Biologie des Körpers, sondern auch eine der Seele. Genauso wie eine Pflanze Sonnenlicht und Wasser braucht, so existenziell abhängig ist jedes Kind von der bedingungslosen Liebe und Fürsorge seiner Eltern. Bekommt das Kind diese Liebe, lebt es in Geborgenheit und Schutz, dann kann es sich seiner Natur entsprechend entfalten. Urvertrauen, Lebenslust und Kreativität sind ganz natürlich da und bilden die Basis für sein positives Selbstwertgefühl und seine angstfreie Beziehung zur Umwelt und dem Leben.

Die verlorene Einheit mit der Seele

Wenn Kinder geboren werden, sind sie noch vollkommen eins mit ihrer inneren Natur. In jeder Lebensphase werden besondere Funktionen und Fähigkeiten entwickelt, wie zum Beispiel Krabbeln, Laufen und Sprechen, die ganz elementar über die Beziehungsqualität zwischen Eltern und Kind geprägt werden. Die gesamte frühkindliche Entwicklung und das spätere Lernen in der Schule sind also abhängig von der Beziehung zu den Eltern.

So aber, wie die Pflanze durch zu wenig Sonnenlicht und Wasser verkümmert, genauso leidet und verkümmert das Kind, wenn es zu wenig Liebe und Zuwendung von seinen Eltern erhält, zum Beispiel bei Zeitmangel und Belastungen in der Familie, Strafen wie Liebesentzug, Beschimpfungen und Schlägen. Je mehr ein Kind entbehren muss, sich gedemütigt und ungeliebt fühlt, umso größer ist der innere Schmerz von Verlassenheit und Minderwertigkeit.

Solcher Schmerz führt zu Symptomen wie z. B. Hypermotorik, Lern- und Sprachstörungen, Bettnässen oder Sucht nach Konsum. Kann es seinen Schmerz und seine Angst nicht zeigen, fehlen Trost und Verständnis, dann baut das Kind eine Schutzmauer auf, um zu überleben.

Wenn wahre Bedürfnisse verbannt werden

Nach wie vor ist es aber auf die Beziehung zu den Eltern angewiesen und versucht auf seine Weise, Harmonie und Nähe herzustellen. Es nimmt die Stimmungen und Nöte in seiner familiären Umgebung wahr und passt sich ihren Erwartungen an, um Aufmerksamkeit und Anerkennung zu bekommen.

Das Kind unterdrückt seine wahren Bedürfnisse oder gibt sie sogar auf. Es wird brav und versucht zum Beispiel, durch gute Leistungen oder als kleiner Clown die Eltern zu erfreuen.

Dieses Verhalten ist die Flucht in eine Rolle, um so zu werden, wie Mama und Papa es sich wünschen. Die Laufbahn bis zum Erwachsenenalter ist oft vorgegeben. Das Streben nach Perfektion, um unangreifbar und wertvoll zu werden, verspricht Schutz, Anerkennung und Stabilität. Doch schwelt der alte Konflikt noch im Inneren, mehr oder weniger bewusst.

Entwicklungsschäden und ihre lebenslänglichen Folgeerscheinungen

John BowlbyEdward John Mostyn Bowlby (26.2.1907-2.9.1990) war ein britischer Kinderarzt, Kinderpsychiater, Psychoanalytiker und mit James Robertson sowie Mary Ainsworth Pionier der Bindungsforschung. forschte im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation bereits 1950 über Entwicklungsschäden bei Kleinkindern und ihre lebenslänglichen Folgeerscheinungen durch fehlende mütterliche Zuwendung. Seine Forschungsergebnisse ließen ihn schon damals vehement an Eltern und Gesellschaft appellieren, alles zu tun, damit Kinder die für ihre seelische und geistige Gesundheit notwendige Fürsorge der Eltern John Bowlby: Mütterliche Zuwendung und geistige Gesundheit, Kindler Verlag in der Familie erhalten.

Intimität und der persönliche Bezug zu Mutter und Vater können von fremden, bezahlten Pflegepersonen, die außerhalb der Familie sind, nicht ersetzt werden. Diese Tatsachen bestätigen namhafte Psychoanalytiker und Kinderpsychologen — wie etwa Michael Balint, Alice Miller, Wolfgang Bergmann und viele andere.

Es geht also bei der frühkindlichen Entwicklung nicht um persönliche Meinungen, sondern um zwingende Gesetzmäßigkeiten, die schon längst bewiesen wurden und in der heutigen Zeit in Vergessenheit geraten sind. Machen wir uns unbedingt bewusst, wie kostbar und schicksalbestimmend auch für zukünftige Generationen das Leben unserer Kinder ist!

Ein geschützter Heilungsraum macht Selbstheilung möglich

Auch wir Erwachsenen waren einmal Kinder und wurden durch eigene schicksalhafte Erfahrungen und familiäre Werte geprägt, welche die Verhaltens- und Beziehungsstrukturen zu uns selbst und unseren Mitmenschen bestimmen.

Waren die Werte im Umfeld unserer Entwicklung liebevoll von Einfühlung und Achtung getragen, kann unser Leben glücklich und erfüllt sein. Krisen werden dann gemeinsam gemeistert, denn Vertrauen und gegenseitige Unterstützung sind selbstverständlich. Bestimmten aber Leid und Entbehrungen unsere Kindheit und Jugend, so kann das zu destruktivem Verhalten, zu Krankheiten, emotionaler Kälte und sogar Gewalt führen.

Fast jeder Mensch braucht irgendwann einmal, besonders in Lebenskrisen, einen geschützten Heilungsraum, wo er mit kompetenter fachlicher Hilfe (Psychotherapie, ganzheitliche Medizin und Homöopathie) seine seelischen Wunden und belastenden Lebensmuster bewusst machen und heilen und damit den Teufelskreis von Selbst- und Fremdzerstörung auflösen kann.

Entscheidend ist dabei die Erfahrung von wahrhaftigem Verstanden- und Angenommensein, da nur auf diese Weise bedingungslose Liebe erfahren und gefühlt werden kann. Dadurch ist es möglich, dass schwere Lasten und Tabus von der Seele fallen. Große innere Entlastung, Erleichterung, Vertrauen, Freude und Lebensmut stellen sich ein.

Der Schlüssel zum heilen, gesunden, glücklichen Leben

Erst jetzt ist ein solcher Mensch fähig, als verantwortungsbewusster Regisseur seines Lebens neuen, ersehnten Lebenszielen entgegenzugehen und sich ein liebevolles, nährendes Umfeld zu schaffen, das von gegenseitiger Achtung und Unterstützung getragen wird.

Ist der innere Lebenskern erst einmal befreit, so entfaltet er wieder seine heilenden und lebenserhaltenden Funktionen aus sich selbst heraus.

Wir alle haben diesen wirksamen Schlüssel in der Hand, der darüber entscheidet, ob unser Leben gesünder und glücklicher gestaltet wird oder zu einer Hölle von gegenseitigen Verletzungen führt. Benutzen wir ihn endlich, damit die Einheit des Menschen mit seiner heilsamen Natur — dem innersten Lebenskern — wiederhergestellt wird und sich sein Herz in respektvoller Achtsamkeit für die Fülle des Lebens, für seine Mitmenschen, für Tiere und Natur wieder öffnen kann.

Bildquelle: peter meierhans bei pixelio.de | Mensch vital bei Google+

Über die Autorin

Ursula von Maltzahn erhielt ihr akademisches Abschlussdiplom an der Johann Wolfgang von Goethe Universität in Frankfurt am Main. Psychoanalytische Weiterbildung vor und während ihrer 5-jährigen Berufstätigkeit an zwei Erziehungsberatungsstellen. Weitere psychotherapeutische Zusatzausbildungen: Gestalttherapieausbildung; Familientherapieausbildung an der Klinik für Psychosomatik in Gießen. Seit 1985 arbeitet sie in freier Praxis mit den Schwerpunkten Psychosomatik, Depressionen und Krisenintervention.

Alle Beiträge von Ursula von Maltzahn.

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