Seite auswählen
 

«Das Taijiquan — auch Tai-Chi Chuan oder Tai-Chi oder chinesisches Schattenboxen genannt — ist eine im Kaiserreich China entwickelte Kampfkunst, die heutzutage von mehreren Millionen Menschen weltweit praktiziert wird und damit zu den am häufigsten geübten Kampfkünsten zählt.» [Quelle: Wikipedia]

Leider wird Taijiquan (chinesisch 太極拳 / 太极拳 Tàijí Quán, IPA (hochchinesisch) [tʰaid̥ʑ̥itɕʰyɛn], W.-G. T’ai Chi Ch’üan) – vor allem in jüngerer Zeit und im Zusammenhang mit westlichen Bewegungslehren – häufig lediglich als Gymnastik betrachtet.

Wie das Qi, so die Bewegung

Was für eine sträfliche Unterschlagung seiner fantastischen Möglichkeiten! In meinem Beitrag «Taiji, Gesundheit und Bewusstsein» habe ich ausführlicher darüber nachgedacht. Interessierte junge und alte, geschmeidige und ungelenke, gesunde und kranke Menschen hören deshalb oft nichts davon, dass ihre Bewegungen mit dem Fluss ihrer Lebensenergie Qi eine Einheit bilden. Und wie das physiologisch nachvollziehbar geschieht. Wie das Qi, so die Bewegung.

Ja, noch wichtiger: Sie erfahren nichts darüber, wie die Qualität des Qi durch Emotionen, Glaubenssätze und Denkmuster beeinflusst, gesteuert oder häufig sogar verhindert wird: Negative Emotionen — bewusste ebenso wie unbewusste — blockieren das Qi, positive fördern seinen Fluss.

Dieses Wissen ist seit tausenden von Jahren Grundlage der chinesischen Lebens- und Heilkunst, und auch die westliche psychosomatische Medizin baut auf diesen Zusammenhang. Die heute verbreitete Quantenheilung ist inspiriert von aktueller neurowissenschaftlicher Forschung, von der Epigenetik und Nutrigenetik; sie wendet eben diese Grundsätze an.

Positive Emotionen gehören deshalb zu den Voraussetzung für körperliche Beweglichkeit, so wie umgekehrt ganz selbstverständlich körperliche Traumata zu psychischen Belastungen führen können. Positive wie negative Emotionen sind durch die sanften, bewussten Bewegungen des Taijiquan erreichbar und veränderbar.

Die Entscheidung zwischen Beweglichkeit und Steifheit trifft folglich nicht das «Schicksal» und auch nicht das «Altern». Lies dazu auch meinen Beitrag «Der Mythos vom Altern».

Sich zu weit aus dem Fenster lehnen

Wie sich unsere innere Haltung in unserer Bewegung zeigt, veranschaulicht das folgende Beispiel:

Sich bildlich gesprochen «zu weit aus dem Fenster zu lehnen», zeugt von einer charakteristischen mentalen Einstellung und offenbart sich in einer körperlich nach vorn geneigten Haltung beim Stehen und beim Gehen. Hieraus resultieren auf körperlicher Ebene als erstes Probleme muskulärer Natur, mit weiteren Wirkungen in der Folge.

Beides, sowohl die mentale als auch die körperliche Haltung, verbessert sich mit qualifiziertem Übung des Taijiquan, d. h. Üben unter Einbeziehung der inneren Aspekte. Das nebenstehende Video zeigt deutlich die Unterschiede zwischen dieser gebeugten und der zentrierten Haltung.

Für alle am Taijiquan Interessierten macht es Sinn, eigene Gedanken darüber zu entwickeln, warum das von den Krankenkassen gestützte Taijiquan dessen größte Vorzüge, nämlich die nicht-körperlichen, die inneren, feinstofflichen Aspekte, meidet wie der Teufel das Weihwasser.

Der innere Zauber

Dabei machen gerade erst diese inneren Bewegungen den ganzen Zauber, die schwerelose Eleganz, das Schwebende und zugleich Kraftvolle aus, nicht zuletzt aber die ganzheitliche Wirksamkeit des Taijiquan.

Eben deshalb wird Taijiquan eine «innere» Kampfkunst (chinesisch 內家拳 Nèijiāquán, kurz neijia) genannt. Im Inneren liegen seine größten Stärken.

Der nebenstehende Ausschnitt aus dem Film «Twin Warriors» von Jet Li zeigt solche grundlegenden Bewegungen und wesentlichen Prinzipien des Taijiquan.

Die Tradition der Yang-Familie

Zum Abschluss noch ein historisches Zeugnis aus der Tradition des Yang-Stil-Taijiquan mit Yang Chengfu, dem bekanntesten Meister der Yang-Familie vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Abbildungen mit einzelnen Figuren der Choreographie des Taijiquan sind wunderschön anzusehen.

Das Video wurde von dem im Abspann genannten Matthias Wagner erstellt und basiert auf seinen phantastischen, selbst hergestellten Bleistiftzeichnungen, die er nach photographisch nicht verwertbaren Original-Abbildungen angefertigt hat. Danke, Matthias, dass ich Deine Arbeit hier veröffentlichen darf.

Matthias Wagner hat auch das 1934 erstmals erschienene Buch von Yang Chengfu «Das vollständige Buch von Form und Anwendung des Taijiquan» erstmals übersetzt und sich dabei auf die Auflage des Jahres 1948 gestützt. Hier kannst du es bei Amazon bestellen: Yang Chengfu: Das vollständige Buch von Form und Anwendung des Taijiquan

Bildquelle: 1611875 Clipdealer | Mensch vital bei Google+
Dao-Yoga. Coaching. Aus eigener Kraft.

Über den Autor

Jürgen Ryżek ist ein Dao-Yoga-Lehrer, LifeCoach, Autor und Denker, der sich seit 1980 dem Lehren und Coachen zur Pflege einer kraftvollen Körper-Geist-Seele-Beziehung widmet. Seit er sein Herz nach einem Infarkt durch Selbstheilung aktiv und vollständig wiederherstellte, entwickelt er Methoden rund um die Heilung körperlicher Schäden aus eigener Kraft. Dabei lässt er sich von traditionellem europäischen und fernöstlichen Heilwissen inspirieren. Als tragende Idee dient ihm eine Metaphysik der Selbstheilung.

Alle Beiträge von Jürgen Ryżek.

eMail-pic Website-pic          Angebot Mensch vital Angebot Selbstheilungscoaching

Shares
Share This