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Die Alchemie des Organismus ist die Verwandlung von Glaubenssätzen, Denkmustern, Gefühlen und Emotionen in physiologische Vorgänge, sie ist das immer noch nicht vollständig verstandene Geschehen der Bildung bzw. Verbildung unseres Körpers. Sie hat keine schöne Schauseite, sie ist nichts für den «Sonntags-Ausgeh-Staat». Wir können sie im Alltag beobachten. Immer, wenn wir bereit sind, uns umgeschminkt anzuschauen.

In der Schlange im Laden der Hofpfisterei. Der ganze Verkaufsraum ein einziges Duftmeer aus frischen Laugenzöpfen und Brezen, Walnussweckerln und Kartoffelsemmeln, deftigen Käsestangen und süßen Rosinenbrötchen. Aromatherapie in der Bäckerei.

Alles ist gut

Ich lächle. Alles ist gut. Ist alles gut? Nur noch ein paar Minuten bis Geschäftsschluss, die Brezen sind dabei auszugehen, und derzeit bin ich die Nummer 8 in der Schlange. Wird noch genug übrigbleiben für mich? Meine Frau hat zu Hause schon die Butter aus dem Kühlschrank genommen. Und was wird aus unserem Sonntagsfrühstück ohne frische Backwaren? Ich bücke mich ein bisschen, um durch Ellbogen und Einkaufstaschen hindurch einen Blick auf den Brezenkorb zu erhaschen. Gerade verschwinden wieder zwei in einer Tüte, es wird eng werden.

Nicht, dass ich jetzt unruhig würde. Ich habe mich im Griff. Nur das Lächeln verschwindet. Und ein kleines bisschen fängt es doch an, in mir zu grumbeln. Bin ich ein schlechter Mensch, weil mir jetzt bei jedem Teil, das mir vor der Nase weggekauft wird, ein Stück gute Laune abhanden kommt? Wohin, zum Teufel, verflüchtigt sich meine Gelassenheit? Wo bleiben meine spirituellen Ansprüche?

Diese jetzt auf mich zukommende Art von schlechter Laune kenne ich, es ist eine Mischung aus Ärger, Neid und … ja … irgendwie auch Gier sowie erhöhtem Puls und flachem Atem. Öffentlich würde ich das natürlich niemals zugeben, aber in meinem geheimen Hinterstübchen drückt mich dieser Gedanke. Nicht besorgniserregend, schnell wieder vorbei, aber hier wird mir gerade vorgeführt, wer ich bin. Dummerweise, sehe ich, bin ich doch anders, als ich es gern hätte. Enttäuschend, denke ich, wieder einmal am Ende der Täuschung angekommen.

Die ewige Verwandlung in uns

Erfahrungen erwecken Gedanken, Gedanken sind an Gefühle gekoppelt, Gefühle verwandeln sich in körperlich Zustände. So geht die Alchemie unseres Lebens.

Und das geschieht beileibe nicht nur gerade jetzt und ist schon im nächsten Moment wieder vorbei. Nein. Gefühle hinterlassen langfristig Spuren. Wir sind in großem Maße Gewohnheitstiere. Auf ähnliche Erfahrungen reagiert unser Organismus immer wieder in gleicher Weise, seine Antwort ist ein Rasen durch unser emotionales Gehirn, schneller, unglaublich viel schneller als ein Gedanke es je könnte.

Das sogenannte limbische System checkt, ob das, was gerade passiert, früher einmal gut oder schlecht für uns war. Und es gräbt bereits vorhandene Spuren im Gehirn bei jedem Mal tiefer. Und bevor auch nur einer unserer Gedanken zu einer Entscheidung kommen kann, haben wir schon reagiert, wie wir immer schon reagiert haben, auf Empfehlung des limbischen Systems in Absprache mit der Zirbeldrüse.

Die Körperchemie ist niemals aufzuhalten

Die Körperchemie ist nicht mehr aufzuhalten und stürzt sich durch die Kanäle unseres Leibes, beeinflusst die lebendigen Prozesse in Lunge, Niere, Leber, Herz, Milz und allem, was unser körperliches Leben lebenswert macht – oder auch nicht.

Der Weg vom Geist in den Körper ist in den letzten 20 bis 30 Jahren sehr gut erforscht worden. Wir können – dank der Arbeit von Physikern, Biologen, Neurobiologen, Hirnforschern, Neurophysikern und anderen – nachvollziehen, wie unser Geist den Organismus steuert. Wir wissen, wie denn nun genau der Leib auf eine Erfahrung reagiert.

Dass die Erkenntnis gerade ursprünglich aus der Physik stammt, die doch eigentlich für die Untersuchung materieller Vorgänge zuständig ist, gehört zur Ironie des Lebens, ist aber so: Am Anfang ist der Geist.

Sehr kurz und knapp zusammengefasst, beginnt es damit, dass wir eine Erfahrung bewerten – was wir immer tun, denn so und nicht anders sind wir als Wesen gestrickt. Dabei ist ganz unerheblich, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht, jede Bewertung ist eine Information.

Aus unserer Bewertung, also aus der Information, so die Quantenphysik, bildet sich ein Aktionspotenzial an den Zellmembranen und das wiederum lässt Teilchen oder ganze Muster von Teilchen und am Ende Proteine entstehen, die Bausteine des Lebens, die Moleküle unseres Organismus.

Unsere Gesundheit liegt in unserer eigenen Hand

Ob alles glatt läuft auf dem Weg vom Geist zum Leib, ob sich also die Zellen in Lunge, Niere, Leber und so weiter im Sinne unserer Gesundheit und Beweglichkeit bilden und erneuern oder nicht, geschieht folglich nicht beliebig oder von irgendwelchen Vorgängen in der Außenwelt gesteuert. Wir sind in dieser Angelegenheit nicht ohne Macht, wir sind keine Opfer. Im Gegenteil, wir sind der Boss.

Es liegt allein bei uns, wie wir unsere Erfahrungen bewerten. «Das Problem ist nicht das Problem. Das Problem ist deine Einstellung zum Problem. Verstehst du?» So spricht Captain Jack Sparrow, der Pirat aus der Karibik. Mit unserem Denken und Fühlen, mit unserer gesamten Gemütsverfassung wirken wir in jede Zelle hinein und erschaffen unseren Körper und unser Leben immer wieder neu.

Als Konsequenz aus diesem umwerfenden neuen Wissen dürfen wir dankbar sein für die Erkenntnis, dass das Werden und Vergehen in allen Organen unseres Leibes und zuletzt in unserem gesamten Organismus von unserem Bewusstsein abhängt. Wir sind Schöpfer. Wir erschaffen unseren Leib und unsere Welt. Es ist das Ende des materialistischen Denkens.

Jeder weiß, dass der Ärger einem als Laus über die Leber läuft und dass Neid wie ein Stich ins Herz wirkt. Auch meine Erfahrung in der Hofpfisterei, darum komme ich wohl nicht herum, sollte ich in diesem Licht sehen. Wenn ich also meinen Ärger auch künftig und bei ähnlichen Erfahrungen nicht lassen kann, muss ich wohl schwarz sehen für meine Leber. Und für mein Herz. Was tun? Alles eine Frage des Bewusstseins. Also entweder ärgere ich mich jetzt weiter. Oder ich gönne mir selbst ein Lächeln.

Bildquelle: lawren Clipdealer | Mensch vital bei Google+

Über den Autor

Jürgen Ryżek ist ein Dao-Yoga-Lehrer, LifeCoach, Autor und Denker, der sich seit 1980 dem Lehren und Coachen zur Pflege einer kraftvollen Körper-Geist-Seele-Beziehung widmet. Seit er sein Herz nach einem Infarkt durch Selbstheilung aktiv und vollständig wiederherstellte, entwickelt er Methoden rund um die Heilung körperlicher Schäden aus eigener Kraft. Dabei lässt er sich von traditionellem europäischen und fernöstlichen Heilwissen inspirieren. Als tragende Idee dient ihm eine Metaphysik der Selbstheilung.

Alle Beiträge von Jürgen Ryżek.

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