Seite auswählen
 

Manche unserer belastenden Glaubenssätze kennen wir sehr gut. Vielleicht sind sie alte Bekannte, so genannte Dauerbrenner, und fühlen sich schon fast vertraut an. Und wieder andere sind uns gar nicht bewusst, wir haben gar keine Ahnung, dass wir sie glauben. Dennoch haben sie Auswirkungen auf unser Lebensgefühl, die Fähigkeit sich zu öffnen, zu lieben, auf das Maß der Kreativität und das Gefühl von Freiheit & Weite.

Ein einengender Glaubenssatz, der in meinen Einzelsitzungen und in den Seminaren immer wieder auftaucht, lautet: Ich kann das nicht!

Jemand möchte etwas tun oder sein und kommt dort nicht hin. Was ihm im Wege steht, ist der Gedanke, dass ihm dazu etwas fehlt; dass es ja sowieso gar nicht geht; ihm noch Abschlüsse fehlen, bevor er anfangen kann; dass andere das ja schon so perfekt machen und dass seine Fähigkeiten zu gering sind.

Und wer wärest DU, wenn du irgendetwas beginnst, ohne diesen Gedanken?

Wenn der dir nicht in den Kopf kommt? Wenn du das einfach nicht glaubst?

Räume voller Möglichkeiten

Ich liebe diesen Raum, der dann entsteht. Für mich fühlt es sich an, als wäre die Erde groß und weit, voller Möglichkeiten und Wege. Und ich (er)finde vielleicht gerade einen neuen. Wenn ich nicht glaube, dass ich etwas nicht kann (was ich aber gerne können würde) dann halte ich es erst einmal für möglich. In diesem Raum kann ganz viel entstehen. Meine eigene Art und Weise an diese Sache heranzugehen, mit meinen ganz eigenen Mitteln, aus meiner ganz persönlichen Sicht. Ich erlaube mir, es auf meine Weise zu machen. To do it my way. Den Song von Frank Sinatra liebt fast jeder. Jeder möchte von sich gern sagen können:

„I’ve lived a life that’s full.
I traveled each and every highway
And more, much more than this,
I did it my way.“

Muss ich jedem Gedanken glauben?

Vor zehn Jahren habe ich noch geglaubt, ich könnte nicht schreiben. Nun sind vier Bücher von mir veröffentlicht. Auch ich saß irgendwann zum ersten mal vor einem leeren Blatt Papier. Hätte ich in dem Moment geglaubt: ich kann das nicht, dann wäre ich sicher blockiert gewesen, hätte mich nicht hingeben können und meine Kreativität wäre nicht geflossen.

Ebenso habe ich geglaubt, ich könnte nicht zeichnen. Mittlerweile gibt es eine erste kleine Postkartenkollektion im Handel. Auf meine eigene Weise kann ich sehr wohl zeichnen. Und auf meine eigene Weise macht es mir auch Spaß.

Und es gab noch einiges, von dem ich glaubte, es nicht zu können. In der Arbeit mit THE WORK fand ich heraus, dass “Ich kann das nicht” nur ein Gedanke ist. Nur ein harmloser Gedanke. Nicht die Realität. Ich muss diesem Gedanken keinen Glauben schenken. Ich kann es überprüfen und dann sehen, ob er wahr ist oder nicht.

Was mich wirklich aufbaut

Manchmal hilft mir „Ich kann das nicht“, um etwas abzuwehren, was ich nicht will. Korrekterweise müsste es dann heißen: «Ich will das nicht». Und dieser Gedanke fühlt sich für mich schon wesentlich selbstbestimmter an. Aber «Ich kann das nicht» bringt etwas Kraftloses, Ausgeliefertes mit sich, irgendwie hoffnungslos.

Er verhindert, dass ich einen Weg finde, meinen Wunsch zu realisieren. Wenn ich diesen Gedanken öfter denke und glaube, kann er zu einer Gewohnheit werden. Dann glaube ich von mir, dass ich ziemlich viel nicht kann. Und wie ist dein Leben, wenn du das von dir glaubst? Sicher nicht gerade erbauend.

Vielleicht ist es ja auch mal wahr, dass ich irgendwas nicht kann. Aber … bis ich es nicht versucht habe, kann ich mir dessen einfach nicht sicher sein.

Einfach mal mit dem Leben tanzen

Gestern las ich von einer Tänzerin aus dem Ensemble von Pina Bausch. Ihr ganzes Leben lang wollte sie Tänzerin werden und hatte geglaubt, sie sei nicht gut genug dafür, sie könnte das ja eh nicht. Aber als sie 60 war, las sie in der Zeitung, dass Pina Bausch für eine Tanzaufführung Frauen ab 60 sucht. In einem Alter, von dem viele Leute sagen würden, dass dort keine Tanzkarriere mehr startet, hat sie für diese Frau begonnen.

Die Welt ist voll von solchen Geschichten.

Wenn du es nur für möglich hältst, öffnest du den Raum dafür, dass es entstehen kann. Deine Gedanken gehen in die Richtung: Wie könnte es denn gehen? Wie würde ich denn gern? Wen kann ich fragen, um Unterstützung bitten oder einladen?

Was kann ich dafür tun, wie beginnen? Sobald deine Gedanken auf der Machbarkeitsseite sind, geht’s auch schon los!

Also: Du kannst das nicht! Ist das wahr?

Übung

Wenn du möchtet, nimm dir fünf Minuten, lehne dich zurück, atmet einmal tief ein und aus und schau auf dein Leben zurück. Was hast du alles geschafft, welche Etappen genommen, welche Träume, oder Teilträume hast du dir verwirklicht? (Die Übung besteht NICHT darin, dem Noch-nicht-Erreichten Raum zu geben.) Erlaube dir, mal ein paar Minuten nur auf die Siege, Fähigkeiten und Möglichkeiten zu schauen. Auch auf die Kleinigkeiten. Finde mindestens drei Beispiele. Wie fühlt sich das an?

Bildquelle: Edenwithin bei Fotolia | Mensch vital bei Google+

Über die Autorin

Ina Rudolph

– hat an der rennomierten Schauspielschule „Ernst Busch“ in Berlin studiert

– bereiste nach der Wende als Fotomodel die Welt

– studierte danach klassischen Gesang (HfM Hanns Eisler Berlin)

– und spielte 20 Jahre im deutschen Fernsehen

– seit 14 Jahren arbeitet sie mit THE WORK von Byron Katie

hält Vorträge, gibt Seminare und hilft in Einzelsitzungen, Probleme zu lösen.

Alle Beiträge von Ina Rudolph.

eMail-pic Website-pic

Shares
Share This