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Die ursprünglichste Eigenschaft unserer lebendigen Körperlichkeit heißt Bewegung. Hier ist eine kleine Übung, bei der wir uns achtsam, meditativ und mit wachen Sinnen bewegen und uns mit der Erde und mit uns selbst verbinden. Jürgen Ryżek beschreibt detailliert eine der schönsten Meditationen in Bewegung.

Unser Atem geht dabei zunehmend natürlich und still. Die Stille breitet sich aus, hinein in unser Innerstes. Die Entspannung betrifft unser ganzes Wesen. In der Bewegung empfinden wir uns zunehmend wieder als Einheit: In der Bewegung innerlich still. In der Stille innerlich bewegt.

Haltung und Vorbereitung

Ziehe deine Schuhe aus. Stelle dich aufrecht mit leicht geschlossen Füßen. Reibe die Hände warm und lege die Handinnenflächen übereinander auf den Bauchnabel. Der Atem geht wie immer, keine Aufmerksamkeit auf den Atem.

Die Knie sind leicht gerundet, das Becken fühlt sich entspannt an, Steißbein und Kreuzbein weisen geradeaus nach unten, das Gesäß ist also weder nach hinten rausgestreckt, noch fühlt es sich nach eingeklemmtem Schwanz an.

Auf dieser ausbalancierten Basis baut sich die Wirbelsäule gerade nach oben auf. Diese Grundstellung heißt im Taijiquan «hüftbreiter Stand». Probiere ein bisschen, bis die Balance stimmt. Der Kopf schwebt über dem Körperfundament, als sei er an einer goldenen Schnur sicher festgemacht.

Der Übungsablauf

1. Drücke den rechten Ballen in den Boden, als würdest du in einen Moosteppich drücken, hinein in den Boden. Dann entlaste den linken Fuß, hebe ihn von der Ferse bis zu den Zehen hoch und lasse ihn dann sehr langsam nach vorn schwingen.

2. Setze nun den linken Fuß eine Fußlänge vor dich auf den Boden – den Parkettboden, das Gras, das Laub, den Sand. Dies geschieht gleichzeitig mit der gesamten Sohle. Achte darauf, nicht mit der Ferse zu beginnen und dann mit dem Rest der Sohle bis zu den Zehen quasi auf den Boden zu fallen. Bleibe in dieser Phase mit dem Schwerpunkt vollständig rechts, zwar berührt der linke Fuß schließlich von vorn bis hinten den Boden, dein Gewicht bleibt dennoch auf dem rechten.

3. Stelle dir vor, du bewegtest dich wie eine anschleichende Katze, die jederzeit und an jedem Punkt in ihrer Bewegung innehalten kann, ohne ins Straucheln zu kommen. Die Gewichtsverteilung der Katze ist optimal. Sie befindet sich in ihrer körperlichen Mitte. Du kannst dies in deinem Körper nachvollziehen und ebenso machen, wenn dein Bewusstsein sich ebenfalls in deiner Mitte befindet, verortet im Körperschwerpunkt hinter der Nabelgegend.

4. Befindet sich der linke Fuß von den Zehen bis zur Ferse am Boden, erst dann verlagerst du das Gewicht nach links. Während der Verlagerung hebt sich zunehmend die Ferse des rechten Fußes, bis nur noch die Zehen Bodenkontakt haben.

5. Indem dein Gewicht komplett nach links wechselt, drückst du den linken Ballen in den Boden. Der rechte Fuß wird entlastet, hebe ihn jetzt hoch und lasse ihn sehr langsam nach vorn schwingen.

6. Punkt 5 war schon der Beginn des zweiten Zyklus. So entwickelt sich mit dem Vorwärtsgehen ein Rhythmus von rechts nach links und zurück, von Schwerpunkt zu Entlastung. Bewege dich im Rhythmus von yin und yang.

Das «Ganze» empfinden

Fließe mit deiner Aufmerksamkeit vom Bauchnabel in den aufsetzenden Fuß, dann zurück in die Mitte und wieder zum nächsten aufsetzenden Fuß und so weiter.

Die Aufmerksamkeit ist das A & O. Durch Aufmerksamkeit auf Bauch und Fuß sowie Achtsamkeit für das «Ganze» gestaltest du aus deiner Bewegung deine individuelle Ganzheit.

Wo und wie lange?

Je nach Platzangebot kannst du auf kleinstem Raum im Kreis oder auf dem Rasen vor dem Haus oder unter Bäumen durch den Wald oder am Strand entlang gehen. Gehe, solange es Spaß macht und gut tut.

Bildquelle: d. sharon pruitt bei Piqs | Mensch vital bei Google+
Dao-Yoga. Coaching. Aus eigener Kraft.

Über den Autor

Jürgen Ryżek ist ein Dao-Yoga-Lehrer, LifeCoach, Autor und Denker, der sich seit 1980 dem Lehren und Coachen zur Pflege einer kraftvollen Körper-Geist-Seele-Beziehung widmet. Seit er sein Herz nach einem Infarkt durch Selbstheilung aktiv und vollständig wiederherstellte, entwickelt er Methoden rund um die Heilung körperlicher Schäden aus eigener Kraft. Dabei lässt er sich von traditionellem europäischen und fernöstlichen Heilwissen inspirieren. Als tragende Idee dient ihm eine Metaphysik der Selbstheilung.

Alle Beiträge von Jürgen Ryżek.

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