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Liebhaber des «Schattenboxens» streben mit dem Kampf gegen ihren eigenen Schatten das «höchste Eine» der chinesischen Philosophie an. Dass dieses spirituelles Ziel sich erst im Verlauf vieler Jahre entwickelte, zeigt die Geschichte von Yang Luchan, dem Begründer des Taijiquan. Von ihm handelt «Tai Chi Zero», der Taiji-Film.

Taijiquan ist bekannt als «Meditation in Bewegung». Wir kennen es auch als Tai Chi Chuan oder in der Kurzform Taiji / Tai Chi. In den klassischen chinesischen Schriften des Taijiquan wird es «das lange Boxen» genannt, denn seine Bewegungen fließen ununterbrochen wie ein langer Fluss und wogen ohne Anfang und Ende wie Wellen im Meer.

«Das taiji ist aus dem wujiWuji (gesprochen etwa udji) ist in der chinesischen Philosophie der unbegrenzte Ursprung allen Seins. Wuji wird auch als Leere bezeichnet, eine Leere, die nicht Nichts ist, sondern die unendliche Fülle der Möglichkeiten, aus der alles entstehen kann. Es ist das primäre, namenlose Phänomen des Kosmos und der undifferenzierte Zustand des Seins, bevor aus ihm Polarität, Dualität und die Gesamtheit der Erscheinungen entstehen. (aus Jürgen Ryzek: TaijiQigong - Bewegte Stille) geboren. Es ist der Ursprung von Ruhe und Bewegung und die Mutter von Yin und Yang.» So steht es in dem Klassiker des Taijiquan (Taijiquan jing) von Wang Zongyue (1736-1795).

Taijiquan: Das höchste Eine in Zeitlupe

Kommt ein Gespräch einmal beiläufig auf das Thema Taijiquan, werden unweigerlich Bilder von still in sich gekehrten Menschen geweckt, die sich im Zeitlupentempo bewegen. Auf großen Plätzen in Beijing mitten im umgebenden Getriebe oder an lauschigen Plätzchen im Englischen Garten in München und im von Insidern so genannten «Tempelpark» im Hamburger Stadtteil Altona.

Manchmal stehen Hunde fassungslos vor den Taijiquan-Praktizierenden und wissen nicht, ob sie bellen oder das Weite suchen sollen. Vor allem das Taijiquangesprochen etwa: tai-dji-tjüän. Chin. 太极拳 = taijiquan, zusammengesetzt aus 太 = höchst 极 = Gipfel 拳 = Faust, sinngemäß demnach: das höchste Eine durch den Kampf erreichen im Yang-Stil hat sich heute die extrem langsame Praxis der Bewegungskunst zu eigen gemacht.

Makellosigkeit und Kampf vereint

In treffender Übertragung des chinesischen Begriffs streben Taijiquan-Kämpfer nach «höchster Integrität mit der bloßen Hand». Sie zielen auf Makellosigkeit mittels geistiger, mentaler und energetischer Techniken. Das «Schattenboxen» wird auch deshalb als «innere», «sanfte» oder «weiche» Kampfkunst verstanden.

Dabei gilt als höchstes Ziel, nicht einen äußeren Gegner, sondern den eigenen Schatten zu bekämpfen und sich selbst zu überwinden. Die körperlichen, energetischen und spirituellen Ziele des Taijiquan sind mit dem «höchsten Einen» oder der «höchsten Einheit» der chinesischen Philosophie identisch.

Diese feine Geistigkeit sah zu Zeiten des aus armen Verhältnissen stammenden Yang Luchan, nach dem diese besondere Stil-Variante des Taijiquan benannt wurde, noch anders aus. Nachdem Yang Luchan bei Chen Changxing die Kampfkunst gelernt und fleißig perfektioniert hatte, zog er lange Jahre weiter lernend durch China auf der Suche nach Makellosigkeit. Auf seinen Reisen musste er sich immer wieder gegen Angriffe zur Wehr setzen. Dabei fanden sich — glaubt man den zahlreichen überlieferten Geschichten — die Angreifer oft auf einem Baum oder Hausdach wieder. So erwarb sich Yang Luchan einen legendären Ruf.

Er wurde bekannt als „Yang, der Unbesiegbare“, weil jeder Kampf angebich bei der ersten Berührung mit der Niederlage des Gegners endete, der jedoch immer unverletzt blieb.

Die Geschichte des Taiji Yang-Stils

Hört sich an wie eine spannende Geschichte, die lohnt, ausführlich erzählt zu werden? Das hat Stephen Fung jetzt getan. Er ist Regisseur so legendärer Filmen wie „Enter the Phoenix“ und „House of Fury“. Zusammen mit Martial-Arts Star Jet Li als Produzenten hat er Yang Luchans Story erzählt: «Tai Chi Zero».

Im Film zieht Yang Luchan bei Streitigkeiten und Prügeleien in seinem Heimatdorf anfänglich immer wieder den Kürzeren. Um zu beweisen, dass er großes Talent hat, reist er in ein abgelegenes Dorf. Er weiß, dass er dort Taijiquan lernen kann, die neue Kampfkunst, von der Wunderdinge erzählt wurden und die damals noch ein Geheimtipp war.

Die Einwohner des Dorfes weigern sich jedoch, Ihr Wissen an einen Fremden weiterzugeben. Weil sie Lu Chan eine Lektion erteilen wollen, muss er gegen Kinder, Frauen und gegen alte Männer antreten. Lu Chan ist chancenlos und muss viel einstecken, lernt aber auch viel.

Doch eines Tages wird das Dorf von einer Armee attackiert. Da wird Lu Chan plötzlich für die Dorfbewohner zu ihrer letzten Hoffnung. Jetzt also darf er die Kunst des Taijiquan lernen, um schließlich für das Dorf gegen die feindliche Armee anzutreten. Und er macht seine Sache gut.

Lass dir die Filmausschnitte weiter unten nicht entgehen! Es lohnt sich.

Bildquelle: Filmstarts | Mensch vital bei Google+

Über den Autor

Jürgen Ryżek ist ein Dao-Yoga-Lehrer, LifeCoach, Autor und Denker, der sich seit 1980 dem Lehren und Coachen zur Pflege einer kraftvollen Körper-Geist-Seele-Beziehung widmet. Seit er sein Herz nach einem Infarkt durch Selbstheilung aktiv und vollständig wiederherstellte, entwickelt er Methoden rund um die Heilung körperlicher Schäden aus eigener Kraft. Dabei lässt er sich von traditionellem europäischen und fernöstlichen Heilwissen inspirieren. Als tragende Idee dient ihm eine Metaphysik der Selbstheilung.

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